Anti-Aging-Medizin

Strategien gegen das Altern – 60 Jahre alt sein, wie 45 aussehen und sich wie 30 fühlen

Was ist Anti-Aging-Medizin?

Unsere Lebenserwartung steigt beständig, gleichzeitig aber auch das Risiko, krank zu werden. Ziel der Anti-Aging-Medizin ist es, in der zweiten Lebenshälfte das „biologische Altern“ aufzuhalten. Anti-Aging heißt Jugendlichkeit bewahren bis in die späten Jahre oder anders ausgedrückt, alt zu werden ohne gebrechlich zu sein. Gerade gebrechlich zu sein, also sich nicht mehr schmerzfrei bewegen zu können, aber auch geistig nicht mehr fit zu sein, vor allem vergeßlich zu sein, beklagen die meisten älteren Leute. So höre ich immer wieder die Worte „alt werden ist wirklich nicht schön.“ Dies zu ändern ist die Aufgabe der aus Amerika stammenden Anti-Aging-Medizin. Dazu bedient sie sich des gesunden Lebensstils, der Vitalstoff-Ergänzung und der Hormontherapie.

Vater der Anti-Aging-Medizin ist Linus Pauling. Er wurde 1901 in Portland, Oregon, geboren. Er war Biochemiker und erhielt als einziger Mensch zwei ungeteilte Nobelpreise. 1966 weckte der Biochemiker Irwin Stone sein Interesse an der Nahrungsergänzung mit Vitaminen. Er erzählte ihm, dass er noch lange leben könne, wenn er nur genug Vitamine zu sich nähme. Linus Pauling, inzwischen finanziell unabhängig geworden, gründete in Palo Alto in Kalifornien sein eigenes Forschungsinstitut und beschäftigte sich fortan mit der Gesundheitsvorsorge durch Gabe hochdosierter Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Er konnte es sich leisten, von der Pharma-Industrie unabhängig zu forschen, und so wurde die inzwischen weit verbreitete, von der Schulmedizin hart bekämpfte „orthomolekulare Therapie“ geboren. Er schrieb unter anderem die weltweit in hoher Auflage erschienenen Bücher „Vitamin C und der Schnupfen“, „Krebs und Vitamin C“ und „Wie man länger lebt und sich besser fühlt“. Lange und gut hat er gelebt, genoß das Leben und war bis zu seinem Tod 1994 körperlich und geistig topfit.

Anti-Aging-Medizin ist eine vorbeugende Medizin, ganz im Gegensatz zu unserer bisher gewohnten Reparaturmedizin. Vorbeugung ist der Kassenmedizin fremd – Krankenkassen zahlen nur für Krankheiten. Die sog. Krebs- und Gesundheitvorsorgen sind Pseudoprogramme zur Beruhigung des Gewissens, aber keine wirkliche Vorbeugung. Im Gegenteil, mit diesen oberflächlichen Programmen lassen sich viele Krankheiten gar nicht erkennen, die Patienten werden in falsche Sicherheit gewiegt

Fünf Gründe für das Altern

Alterungsgrund Nr. 1: Schwindende Hormone

Hormone werden von verschiedenen Drüsen und Organen produziert. Sie übernehmen im Auftrag des Gehirns zentrale Steueraufgaben. Sie reisen ständig über den Blutweg zu Nerven und Organen und sagen allen Zellen, was sie zu tun haben. Gerät dies fein abgestimmte Orchester der verschiedenen Botenstoffe aus dem Takt, führt das zu Störungen im ganzen Organismus. Mit der Zeit gerät diese Kommunikation ins Stocken. Die Spiegel vieler Hormone sinken mit zunehmendem Alter ab. Am bekanntesten ist dieser Prozeß bei dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Die Folge sind unter anderem ein beschleunigter Abbau der Knochenmasse (Osteoporose). Aber auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu. Weitere Hormone, deren Spiegel nach unten absinken, sind beispielsweise das männliche Sexualhormon Testosteron, das den Schlafrhythmus steuernde Melatonin, das Wachstumshormon sowie das Immunsystem stärkende DHEA. Ein Hormonmangel kann schuld sein, wenn Sie sich mit zunehmendem Alter mehr und mehr müde und abgespannt fühlen, nachts nicht mehr richtig durchschlafen oder Ihre Gedächtnisleistung nachläßt.

Alterungsgrund Nr. 2: Schäden durch Sauerstoff-Radikale

Freie Sauerstoff-Radikale sind hochreaktive Substanzen, die im normalen Energiestoffwechsel der Körperzellen als Nebenprodukt anfallen. Weitere Quellen für Sauertsoff-Radikale sind Umweltschadstoffe und vor allem der Zigarettenrauch. Die freien Radikalen führen zu instabilen Atomen in den Zellmembranen. Dadurch kann es zu Zellentartung, Arterienverkalkung oder Bildung von Alterspigmenten kommen. Der Körper wehrt sich gegen sie mit den sog. Antioxidantien. Dazu zählen beispielsweise die Vitamine C und E sowie die Vorstufe zum Vitamin A, das Beta-Carotin.

Alterungsgrund Nr. 3: Die Abwehrkräfte schwinden

Das Immunsystem ist ein hochkompliziertes Abwehrnetz gegen Krankheitserreger, die in den Körper eindringen. Es erkennt aber auch krankhaft veränderte eigene Körperzellen und schützt somit auch vor Krebs. Doch im Alter schwinden die Immunkräfte. Es steigt die Anfälligkeit für Infektionen, die dann auch schwerer verlaufen und länger andauern. Es können außerdem sogenannte Autoimmunkrankheiten auftreten wie chronisches Gelenkrheuma. Bei diesen Erkrankungen richtet sich das Immunsystem aus noch unbekannter Ursache gegen eigene Körperzellen.

Alterungsgrund Nr. 4: Verzuckerung der Zellmembranen

Die Eiweiße an der Oberfläche unserer Körperzellen sind stetigenen Attacken von Zuckermolekülen ausgesetzt, die im Blut als Energielieferanten enthalten sind. Das führt dazu, dass sich die Eiweiße mit der Zeit miteinander verkleben und ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können. Die Folgen dieser Alterserscheinungen sind Verhärtungen des Bindegewebes der Arterien, Linsentrübungen, eingeschränkte Nierentätigkeit und nachlassende Nervenfunktion. Bei Diabetespatienten laufen diese Prozesse wegen des erhöhten Glukose-Spiegels besonders schnell ab.

Alterungsgrund Nr. 5: Chromosomenschäden

Jede Körperzelle enthält unsere gesamte Erbinformation auf insgesamt 46 Chromosomen. Doch mit steigendem Lebensalter geht immer mehr Information verloren, denn auch Chromosomen können altern. Bei jeder Zellteilung wird eine identische Kopie der Chromosomen hergestellt und auf die Tochterzelle übertragen. Doch an den Endstücken der Chromosomen, den sog. Telomeren, gehen immer mehr Teile verloren. Mit zunehmendem Alter verkürzen sich die Chromosomen also immer weiter. Die Verkürzung der Chromosomenenden galt bislang als ein natürlicher Prozeß, der sich nicht aufhalten läßt. Doch kürzlich wurde in den USA ein Enzym entdeckt, das die Endstücke, die Telomere, schützt. Man nennt es daher auch Telomerase oder Unsterblichkeitsenzym.

Die 3 Säulen der Anti-Aging-Medizin

1. Gesunder Lebensstil

Keine Angst, Sie sollen jetzt nicht zum Körner essenden Gesundheitsapostel umerzogen werden. Aber weniger und ausgewählter essen und genügend körperliche Bewegung sind der Grundstein für längeres und gesünderes Leben. Ich bezeichne die Bewegung gerne als ein Medikament, das nichts kostet, aber gegen fast alles hilft. Sie müssen es wissen und beherzigen, unser Körper ist nicht fürs Rumsitzen gebaut. Mindestens viermal wöchentlich sollten Sie mit Ausdauertraining richtig schwitzen. Dies ist für ein gesundes Herz-Kreislauf-System unerläßlich, das schlechte LDL-Cholesterin sinkt, das gute HDL-Cholesterin steigt an. Das Training beugt Arthrose und Osteoporose vor. Laufen Sie der Depression einfach davon, fangen Sie heute an.

Unter einer gesunden Ernährung versteht die Anti-Aging-Therapie eine Säure-Basen-Lenkung hin zu Lebensmitteln, die Basen bilden. Basen bildend sind vor allem Obst und Gemüse, meiden sollten Sie Süßigkeiten und Fett. Das wichtigste für einen gesunden Lebensstil aber ist es, nicht zu rauchen. Dies ist auch in der Schulmedizin absolut unumstritten. Rauchen ist die schlimmste Gefahr für die Gesundheit. Gönnen Sie sich öfters mal ein schönes Essen, egal was, wenn Sie sich sonst überwiegend gesund ernähren. Trinken Sie auch hin und wieder in Maßen Alkohol, das schützt vor Gefäßverkalkung, aber rauchen Sie bitte nicht.

2. Vitalstoffergänzung

Vitalstoffe sind natürliche Stoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Enzyme. In geringen Mengen zugeführt erhalten sie uns am Leben. In hohen Dosen eingenommen heilen sie Krankheiten und wirken vorbeugend. Richtig, dies ist die orthomolekulare Therapie und hier sind wir wieder bei Linus Pauling. Wichtig sind vor allem die Vitamine A, C und E sowie das Spurenelement Selen. Dies sind die sog. Antioxidantien, die freie Radikale abfangen, die zu Zellentartung, Arterienverkalkung oder Bildung von Alterspigmenten führen können. Durch die hochdosierte Einnahme der Antioxi-dantien kann man diesen Schädigungen entgegen wirken. Die Vitamine C und E verhindern auch, dass das schädliche LDL-Cholesterin oxidiert und zu Ablagerungen an den Gefäßwänden führt. Teure blutfettsenkende Medikamente mit all ihren erheblichen Nebenwirkungen sind somit meist überflüssig. Kein Wunder, dass die Pharma-industrie ständig gegen die orthomolekulare Medizin schießt und immer wieder willfährige Pharmaabhängige Forscher erklären, die zusätzliche Vitamingabe sei völlig wirkungslos.

Wichtig für zahlreiche Stoffwechselvorgänge ist ein ausreichender Magnesiumgehalt in den Zellen, auch für nervöse Reizübertragungen und elektrische Vorgänge am Herzen ist Magnesium sehr wichtig. In der Nahrung ist es heute wegen der modernen Düngemethoden kaum noch vorhanden. Viele teure Herz-Kreislauf-Medikamente lassen sich mit Magnesium einsparen. Auch die B-Vitamine und Folsäure sollte man ausreichend ergänzen, fördern sie doch vor allem den Abbau des Stoffwechselgiftes Homocystein – wirken somit ebenfalls der Gefäßverkalkung entgegen und sind ein wichtiger Baustein für die Nervenzellen. Die Nährstoffe Zink und Chrom fördern die Zuckerverwertung, wirken also der Verzuckerung der Zellmembranen entgegen. Auch weitere Substanzen können wichtig sein und müssen evtl. ergänzt werden. Entsprechende Bluttests sind in der Anti-Aging-Medizin unerläßlich.

3. Hormontherapie

Die tägliche Zufuhr von bestimmten natürlichen Hormonen kann die biologische Uhr nicht nur stoppen, sondern auch zurückdrehen. Die Hormontherapie darf aber nur nach sorgfältiger Prüfung aller Hormonwerte durchgeführt werden.
Die wichtigsten Hormone, die in der Anti-Aging-Medizin angewendet werden, sind:

Durch eine sinnvolle Gabe dieser Hormone kommt es zu Fettabbau, Muskel- und Knochenaufbau, Verminderung der Arteriosklerose, Abnahme von Infektionskrankheiten, verbessertem Sexualleben, Abbau von Schlafstörungen und Depressionen, Wohlfühlen und mehr Energie. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass eine falsche Handhabung der Hormone gesundheitliche Risiken birgt. Daher muß die Hormontherapie ärztlich überwacht werden.

Age-Scan (Alters-Check)

Wenn ich so an meine Patienten denke, fällt mir spontan ein 35 jähriger Kraftfahrer ein, der ständig Fast-Food in sich reinschaufelt, nur sitzt und Kettenraucher ist. Seine biologische Uhr zeigt auf 60 Jahre und man braucht kein Prophet zu sein um vorauszusagen, dies wird er als chronologisches Alter nie erreichen. Mir fällt aber auch ein 60 jähriger Fußballer ein, der sich auch nach seiner aktiven Laufbahn weiter sportlich betätigt und auch sonst gesund lebt, dessen biologische Uhr zeigt auf 40 Jahre. Aber wie bestimmt man das biologische Alter? Nun, mit dem Age-Scan, einem Alters-Check, der in den USA entwickelt wurde. Dies sind verschiedene Tests wie Blutwerte, Hormonspiegel, Knochendichte, Verteilung von Muskelmasse und Körperfett, Lungenkapazität, Fragebögen mit Angaben zu Ernährungsgewohnheiten, Nikotin, Alkohol, Schlaf sowie verschiedene Funktionstests, z.B. auf Reaktionsfähigkeit.